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Ausstellungen 2014.1

Der Kölner Künstler Georg Gartz verbindet in seiner Installation  "Abstrakt Gelb" jeweils zwei Säulen des Mittelschiffes mit leuchtendfarbigen Stoffbahnen und schafft damit eine eigenartige Raumsituation. 

Die Farbe Gelb - nebenbei mit Weiß die Farbe der vatikanischen Flagge -  steht in der Heraldik für das Metall Gold,  in der mittelalterlichen christlichen Ikonologie für die Farbe des Sonnenlichtes,  und ist damit Sinnbild für den Himmel und die Ewigkeit.  Materialer Ausgangspunkt für dieses spezifische Gelb, auch Neapelgelb genannt, ist Chrom-Antimon-Titangelb, das seit 2500 Jahren als keramisches Pigment bekannt ist.  Würde der intensiv gelbe industriell gefertigte Vliesstoff, den Sie hier sehen,  - auch dieser ein Gegensatz zu der Materialität des Kirchenraums, eines Vliesstoffs, der übrigens aus Marokko stammt und damit einen Teil der typisch marokkanischen Farben in den Norden vermittelt,  würden also dieser Stoff eine hinduistische Heiligenfigur bedecken, käme man eher auf den Gedanken, in dem Farbstoff  ein echtes Indischgelb zu vermuten,  das bis ins 19. Jahrhundert aus dem Harn indischer Kühe gewonnen wurde, die mit Mangoblättern gefüttert wurden. Diese Farbe steht in Indien in einem anderen Kontext und in buddhistischen Ländern in wieder einem anderen.

Textilien, wenigstens soweit wir hier sehen können, kommen in dieser Kirche nicht vor.  Doch dies ist ein Irrtum.  Sicher wird sich hinter dem Tabernakelgitter im Hochaltar ein verhüllendes Tuch befinden oder befunden haben. Dieses Tuch geht in der christlichen Ikonologie zurück auf den Vorhang  vor dem Allerheiligsten im jüdischen Tempel.  Es gibt ferner seit dem 10./11. Jhdt. den Brauch, in der Fastenzeit den Hochaltar vor der Gemeinde zu verhüllen. Auch andere, profane Assoziationen mögen sich einstellen. Eine Verkleidung, eine vorüber gehende Behausung, ein Zelt in einer Wüste, ein Raum im Raum.  Das gelbe Tuch ist ein minimalistischer, aber kraftvoller Eingriff.  Georg Gartz reagiert mit einem bewusst gesetzten Kontrast auf die Raumgliederung und die farbige Wand- und Deckengestaltung  dieser üppig dekorierten Kirche.  Der  Farben- und Materialienvielfalt wird eine frappierend einfache Idee, die hier materialisiert ist, entgegengesetzt. Es ist die Antwort eines modernen Zeitgenossen auf die historistische Dekorationskunst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, also vor  fast 150 Jahren.  Er bringt damit einen Teil unserer ästhetischen Gewissheiten ins Schwanken.

Wir haben in zahlreichen Ausstellungen die Vielfalt des künstlerischen Schaffens von Georg Gartz kennengelernt. Dass im Zentrum seiner Arbeiten die Farbe steht wird auch von dieser Installation beglaubigt. Wenn er selber schreibt, dass seine Gemälde "Ordnungen farbiger Einheiten" zeigen, so klingt das arg bescheiden und nüchtern. Die Bilder entstehen aus Übereinanderschichtungen von Flächen, zarten und kompakten, und Linien, die in den letzten Jahren lyrischer und poetischer wurden. Oft finden wir ein Kobaltblau und ein Maigrün, gelegentlich auch ein Gelb, zitronen- bis maisfarben, insbesondere in den von mediterranen und marokkanischen Landschaften inspirierten Bildern.  Hier könnte auch ein Bezug zu den auf den Marokko-Reisen erlebten Farben liegen, zu denen besonders das hier gesehene Gelb gehört.

Die plastischen Arbeiten des Künstlers - von Collagen über Rauminstallationen bis hin zu Land Art -  sind aus der Malerei entstanden, entwickeln sich aus der zweidimensionalen Arbeit in die dritte Dimension hinein. 

Helmut Kesberg, Frechen-Königsdorf 2015

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